Für Teams & Organisationen · Online · Auf Anfrage
Irgendwann ist jedes Argument zweimal gefallen. Die Positionen stehen, die Gespräche drehen sich, und alle im Raum spüren dasselbe: So kommen wir hier nicht weiter.
Der Emergenzy Room ist kein weiteres Meeting. Er ist eine Unterbrechung. Für ein paar Stunden verlässt euer Team die gewohnte Ebene – und hört der Situation anders zu. Nicht lauter. Anders.
Wann ihr ihn braucht
Die meisten Teams kommen gut durch ihre Meetings, Retros und klärenden Gespräche. Manchmal reicht das alles nicht mehr. Dann wird es hier interessant.
Der Konflikt ist alt. Die Positionen sind zementiert. Jede:r weiß schon vorher, was gleich kommt.
Aus einem Team sind zwei Seiten geworden. Dazwischen: Funkstille oder Dauerfeuer.
Ihr redet und redet. Am Ende steht alles genau dort, wo es vorher stand.
Eine Entscheidung drängt, der Einsatz ist hoch – und die Gruppe kommt keinen Schritt weiter.
Alle spüren, dass da etwas ist. Nur sagt es keiner. Es liegt trotzdem im Raum.
Kaum ist ein Satz gesagt, folgt Rechtfertigung oder Gegenschlag. Richtig zuhören kann gerade niemand mehr.
Was wir tun
Im Emergenzy Room steigt euer Team für eine begrenzte Zeit bewusst aus seinen üblichen Mustern aus – aus dem Denken in Argumenten, Positionen, Schuld und Lösungen.
Stattdessen richten wir die Aufmerksamkeit auf das, was sonst untergeht: Wahrnehmungen, Körpersignale, Emotionen, Spannungen, innere Bilder, Widersprüche, Doppelsignale. Auf die Informationen, die auf der alten Ebene niemand hören kann.
Unsere Arbeitshypothese ist schlicht: Wenn ein System feststeckt, fehlen ihm vielleicht keine weiteren Argumente. Vielleicht fehlen ihm Informationen, die auf der gewohnten Ebene gar nicht auftauchen können. Der Emergenzy Room macht einen Raum auf, in dem sie auftauchen dürfen.
Warum kein Meeting, kein Coaching, keine Supervision
Wenn Menschen tief miteinander verstrickt sind, hören sie einander kaum noch. Fast jeder Satz wird sofort zu Verteidigung, Gegenargument oder Rückzug. Genau da setzen wir an – indem wir die Spielregeln für ein paar Stunden ändern.
Wir sprechen zunächst nicht zueinander. Wir sprechen in den Raum.
Aus „Du machst immer…" wird „Ich merke gerade Wut." Aus „Ihr blockiert alles" wird „Da ist Druck." · „Etwas in mir will kämpfen." · „Ich merke, dass ich mich zurückziehen will." · „Ich habe plötzlich dieses Bild." Jede:r übernimmt Verantwortung für die eigene Wahrnehmung, statt sie der anderen Person vor die Füße zu legen.
Das ist der Kern: ein bewusster Ebenenwechsel. Nicht noch ein Klärungsgespräch mit besserer Moderation – ein Schritt auf eine andere Ebene, auf der überhaupt etwas Neues sichtbar werden kann.
Der Schwellenmoment
Der Name ist mehr als ein ungewöhnliches Etikett. Der Emergenzy Room hat einen klaren Anfang und ein klares Ende. Die Gruppe entscheidet sich bewusst: Jetzt gehen wir da rein. Und verlässt für diese Zeit ihre gewohnten Rollen.
„Bis hierhin habt ihr die Situation mit euren Mitteln bearbeitet. Für die nächsten Stunden legen wir diese Mittel zur Seite. Hier muss niemand überzeugen. Niemand muss sich rechtfertigen. Wir schauen gemeinsam, was sichtbar wird, wenn wir der Situation anders zuhören."
Und vielleicht wird der Emergenzy Room irgendwann ein Format, das man kennt und weitererzählt. Etwas, das in einer Organisation jemand aussprechen kann, wenn die Lage es verlangt: Ich glaube, es ist Zeit.
Was im Raum passieren kann
Die genaue Abfolge steht bewusst nicht fest. Wir erfinden keine Präzision, die es nicht gibt – wir arbeiten mit dem, was euer Team mitbringt. Diese Elemente können Teil eines Emergenzy Room sein:
Vor dem Raum sammeln wir die Wahrnehmungen aller Beteiligten. Nicht „wer hat was gemacht" – sondern: Was ist im Feld spürbar? Welche Spannungen liegen in der Luft? Was weiß eigentlich jede:r, ohne dass darüber gesprochen wird?
Wir richten die Aufmerksamkeit auf das Unmittelbare: Körperempfindungen, Emotionen, Impulse, Bilder, Irritationen, Doppelsignale. Der Körper weiß oft schon, bevor es Worte gibt.
Präsenz heißt hier zuerst: den Raum für die eigene Reaktion halten. Was passiert in mir, wenn ich das höre? Kann ich das wahrnehmen, ohne sofort zu argumentieren oder zurückzuschlagen?
Je nach Gruppe kommen Elemente aus Process Work, Meditation, Bewegung oder Wahrnehmungsübungen dazu. Kein festes Programm – Einladungen, die zum Moment passen.
Manchmal taucht ein Bild auf, bevor es Worte gibt. Eine Metapher, ein Symbol, ein spontaner Einfall – oft sagt das mehr über die Lage als jede Analyse.
Nicht alles muss gesagt werden. Wir verlangsamen bewusst und lassen Pausen zu. In der Stille wird oft hörbar, was im Reden untergeht.
Nichts davon ist Pflicht. Alles ist Einladung. Niemand muss etwas tun, was sich nicht stimmig anfühlt.
Zu zweit
Ein Unterschied zum offenen Abend: Diesen Raum gestalten und halten wir zu zweit. Wir hören nicht nur, was gesagt wird, sondern nehmen auch die Dynamik darunter wahr – Spannungen, Doppelsignale, das, was noch keinen Ausdruck gefunden hat. Weniger Moderation eines Streitgesprächs, mehr das Öffnen eines anderen Wahrnehmungsraums.
Wer euch begleitet
Peter arbeitet an der Schnittstelle von Gestalt, Körperarbeit, Theater- & Imaginationsarbeit und kreativen Prozessen. Er begleitet Menschen in Übergängen und Entwicklungsprozessen – mit Präsenz, Humor und der Bereitschaft, dem zu folgen, was sich zeigt.
Ulrike bringt Erfahrung in Prozessorientierter Psychologie nach Arnold und Amy Mindell, Arbeit mit Emotionen und Träumen, Feldwahrnehmung und Körperintelligenz mit. Sie hält Räume, in denen das Nicht-Sagbare eine Stimme bekommt – behutsam, präzise und mit Blick für das, was gerade drängend ist.
Das Format
Das Format ist in Entwicklung. Wir halten die Details bewusst offen und stimmen sie mit eurem Team ab – statt euch einen fertigen Ablauf zu verkaufen, den es so nicht gibt.
Der eigentliche Erfahrungsraum. Hier übersetzen wir noch nicht sofort in Maßnahmen und Beschlüsse. Zuerst darf sichtbar werden, was sichtbar werden will.
In einer separaten Session schauen wir danach: Was bedeutet das Gesehene für eure Zusammenarbeit? Was verändert ihr konkret? Was nehmt ihr mit zurück in den Alltag? Eure Brücke zurück in die Organisation.
Für wen
Wir suchen nicht jedes Team. Interessant wird es mit denen, die bereit sind zu sagen: Okay, wir wissen gerade selbst nicht weiter. Probieren wir etwas anderes.
Die gemeinsam tragen, was schwer ist – und dabei selbst an eine Grenze kommen.
Wenn die Vision auseinanderläuft und viel auf dem Spiel steht.
Ein gemeinsames Vorhaben ist gefährdet, und die üblichen Wege greifen nicht mehr.
Etwas Altes endet, etwas Neues ist noch nicht da. Dazwischen wird es unruhig.
Zwei oder wenige Menschen, deren Zusammenarbeit knirscht – und die es ernst meinen.
Hoher Druck, starke Spannungen, und die Bereitschaft, etwas Ungewöhnliches zu wagen.
Klare Grenzen
Ein Erfahrungs- und Prozessformat auf freiwilliger Basis – und bewusst kein Ersatz für die Wege, die es für bestimmte Lagen schon gibt.
Der Emergenzy Room ist kein therapeutisches, medizinisches oder rechtliches Angebot. Bei akuten Notlagen wendet euch bitte an die dafür zuständigen Stellen.
Anfrage
Erzählt uns in ein paar Sätzen, wo ihr feststeckt. Wir melden uns, und wir schauen gemeinsam, ob dieser Raum der richtige für euch ist – und wann er stattfinden kann.
FAQ
Nein. Ein grober Eindruck genügt, um zu starten. Über den Field Report sammeln wir die Wahrnehmungen ohnehin zu Beginn – in Ruhe und für sich.
So gut es geht, ja. Der Raum lebt davon, dass Menschen sich zumindest ein Stück weit darauf einlassen. Eine gegen alle Widerstände verordnete Teilnahme funktioniert hier nicht.
Ja. Kamera an, ein ungestörter Ort, funktionierendes Mikro. Das Feld trägt auch durch den Bildschirm – vorausgesetzt, alle sind wirklich da.
Wir halten den Raum zu zweit und behutsam. Wir heizen nichts an – wir hören dem, was da ist, anders zu. Wird es zu viel, verlangsamen wir.
Nicht zwingend. Manche Teams wollen das Erlebte erst setzen lassen, andere brauchen die Brücke zurück in den Alltag sofort. Ihr entscheidet.
Das hängt von Teamgröße und Umfang ab und besprechen wir in der Anfrage. Schreibt uns einfach – wir finden etwas Faires.
Der Raum selbst etwa zwei bis zweieinhalb Stunden. Eine optionale Integration-Session kommt separat dazu.
Peter Schreck und Ulrike Reimann. Kurz: Gestalt, Process Work, Körper- und Feldarbeit – und einige Erfahrung mit dem, was zwischen Menschen passiert. Mehr dazu oben.
Für Teams, die eine fertige Lösung von außen erwarten – oder wenn es um eine formale Schlichtung, Rechts- oder akute HR-Fälle geht. Dann sagen wir es ehrlich und verweisen weiter.